„Die waren doch eingeweiht, oder?“ – Diese Frage bekomme ich nach fast jeder Show. Die Antwort ist immer dieselbe: Nein. Nicht einer. Bei Firmenfeiern wäre das auch praktisch unmöglich, weil ich die Belegschaft vorher gar nicht kenne.
Aber die Frage ist trotzdem berechtigt, denn es stimmt: Die Leute, die am Ende auf der Bühne sitzen, sind keine Zufallsauswahl. Sie haben sich gemeldet – und wer sich meldet, hat einen Grund. Nach etlichen Shows kann ich sagen: Es gibt im Wesentlichen drei davon.
Typ 1: Der Neugierige
Das ist die größte Gruppe und für mich die verlässlichste. Diese Menschen wollen schlicht wissen, wie sich das anfühlt. Sie haben Videos gesehen, sie haben davon gehört, und jetzt steht die Gelegenheit im eigenen Saal.
Was sie ausmacht: Sie kommen ohne Agenda. Sie wollen nichts beweisen und nichts vorführen. Genau das macht sie zu idealen Freiwilligen, denn sie lassen die Erfahrung zu, ohne sie zu bewerten – und Bewertung ist der größte Gegner von Trance.
Wie ich mit ihnen arbeite: Wenig. Sie brauchen vor allem Sicherheit und ein bisschen Zeit. Ein kurzer Satz vorab, dass nichts Peinliches passieren wird und sie jederzeit aufhören können, reicht meistens. Danach machen sie den Rest selbst.
Woran ich sie erkenne: Sie melden sich nicht sofort, sondern nach zwei, drei Sekunden – wenn sie sich entschieden haben. Beim Suggestibilitätstest reagieren sie zügig und schauen danach oft überrascht auf die eigene Hand.
Typ 2: Der Skeptiker
Mein persönlicher Lieblingsfall – und für das Publikum der überzeugendste. Diese Menschen kommen auf die Bühne, um zu beweisen, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Oft haben sie das vorher am Tisch angekündigt, was den Effekt später verstärkt, weil alle es mitbekommen haben.
Was sie ausmacht: Skepsis ist kein Hindernis. Sie ist Aufmerksamkeit. Wer genau hinschaut, um einen Trick zu entdecken, konzentriert sich sehr stark auf mich – und genau darauf baut jede Induktion auf. Deshalb funktioniert Hypnose bei aufmerksamen Skeptikern häufig besser als bei Menschen, die sich nur halb einlassen.
Der Unterschied, der zählt: Zwischen skeptisch und verweigernd liegen Welten. Ein Skeptiker sagt „Ich glaube nicht, dass das klappt“ und probiert es trotzdem. Ein Verweigerer sagt dasselbe und tut innerlich nichts. Ersteres funktioniert oft hervorragend, Letzteres nie – und das ist auch völlig in Ordnung.
Wie ich mit ihnen arbeite: Ich nehme die Skepsis ausdrücklich ernst, statt sie wegzureden. Ein Satz wie „Sie müssen mir gar nichts glauben, probieren Sie es einfach mit“ nimmt den Druck raus. Was ich vermeide: eine Machtprobe daraus zu machen. Das geht immer schief.
Typ 3: Der Bühnentyp
Er meldet sich als Erster, oft schon bevor die Frage zu Ende gestellt ist. Er steht gern vorn, er redet gern, und er hat sichtlich Spaß an Aufmerksamkeit. Auf den ersten Blick der perfekte Kandidat.
Wo das Problem liegt: Dieser Typ neigt dazu, zu spielen statt zu erleben. Und das merkt das Publikum sofort. Wenn jemand offensichtlich schauspielert, kippt die Show von „faszinierend“ zu „gestellt“ – das Schlimmste, was passieren kann. Es beschädigt nicht nur den Moment, sondern rückwirkend die ganze Show.
Wie ich damit umgehe: Der Bühnentyp bekommt beim Suggestibilitätstest besonders genaue Aufmerksamkeit. Reagiert er echt, ist er ein großartiger Freiwilliger, weil er Hemmungen ohnehin kaum kennt. Reagiert er darstellerisch, setze ich ihn nicht ein – freundlich, ohne dass es jemand merkt.
Was hilft: Mehr Freiwillige auswählen als gebraucht werden. Aus acht Kandidaten die fünf zu nehmen, die tatsächlich reagieren, ist deutlich einfacher, als mit fünf arbeiten zu müssen, von denen zwei spielen.
Wie die Auswahl tatsächlich abläuft
Die Auswahl ist kein Bauchgefühl, sondern ein kurzer, standardisierter Ablauf – und sie ist der wichtigste Teil der Show, obwohl sie kaum drei Minuten dauert:
- Offene Einladung ans Publikum. Nie jemanden nach vorn ziehen, nie über Kollegen bestimmen lassen. Freiwilligkeit ist die Grundlage.
- Kurzer Test im Sitzen, den alle im Saal mitmachen können. Ein einfaches Vorstellungs-Experiment, das jeder still bei sich durchführt.
- Beobachtung. Wer reagiert deutlich? Wer schaut sich um? Wer macht gar nicht mit?
- Einladung auf die Bühne an diejenigen mit klarer Reaktion – mit der ausdrücklichen Möglichkeit, trotzdem Nein zu sagen.
- Zweiter kurzer Test auf der Bühne, dann steht die endgültige Besetzung.
Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass niemand auf der Bühne landet, der nicht will – und dass niemand dort sitzt, bei dem absehbar nichts passiert. Beides wäre für alle Beteiligten unangenehm.
Wer besser nicht auf die Bühne kommt
Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, Leute freundlich nicht auszuwählen. Das betrifft vor allem:
- Deutlich alkoholisierte Gäste. Alkohol macht nicht suggestibler, sondern unkonzentrierter – und unberechenbarer. Das ist einer der Gründe, warum der Zeitpunkt im Abend so wichtig ist – nach dem Essen, aber vor dem späten Teil des Abends (siehe Sommerfest-Ideen 2026).
- Menschen in einer sichtbar angespannten Situation. Wer gerade gestritten hat oder unter Stress steht, gehört nicht auf eine Showbühne.
- Personen, die von Kollegen hochgeschickt werden. Gruppendruck ist keine Freiwilligkeit. Wenn ich merke, dass jemand geschoben wurde, frage ich direkt nach – und lasse ihn gehen, wenn er zögert.
- Vorgesetzte in heiklen Konstellationen. Das ist eine Abwägung: Wenn die Chefin mitmacht, ist das oft der Höhepunkt des Abends. Wenn die Stimmung im Unternehmen angespannt ist, kann es kippen. Das kläre ich vorher mit dem Veranstalter.
Was alle drei Typen gemeinsam haben
Unabhängig vom Typ gilt für jeden auf der Bühne dasselbe: Er bleibt die ganze Zeit über er selbst. Niemand tut etwas, das seinen Werten widerspricht, niemand verrät etwas Privates, niemand wird zur Zielscheibe. Das ist keine Freundlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass Bühnenhypnose auf Firmenveranstaltungen überhaupt funktioniert.
Denn eines darf man nicht vergessen: Die Freiwilligen sitzen am nächsten Montag wieder mit denselben Kollegen im Meeting. Eine Show, die das ignoriert, mag im Moment lustig sein – und richtet danach Schaden an. Mehr dazu in Tabu-Themen bei Firmenevents.
Häufig gestellte Fragen
Sind die Freiwilligen eingeweiht?
Nein. Bei Firmenveranstaltungen kenne ich die Belegschaft vorher nicht einmal. Die Freiwilligen melden sich selbst und werden über kurze Suggestibilitätstests ausgewählt – nach Reaktion, nicht nach Absprache.
Funktioniert Hypnose bei Skeptikern?
Häufig besonders gut. Skepsis bedeutet Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit ist die Grundlage jeder Induktion. Entscheidend ist der Unterschied zwischen skeptisch und verweigernd: Wer es trotz Zweifel ausprobiert, hat gute Chancen. Wer innerlich blockt, geht nicht in Trance.
Warum werden nicht alle Freiwilligen eingesetzt?
Weil vor der Show mehr Kandidaten getestet werden, als gebraucht werden. Wer beim Test nicht deutlich reagiert oder erkennbar spielt, bleibt im Publikum. Das schützt sowohl die Person als auch die Glaubwürdigkeit der Show.
Kann jemand gegen seinen Willen auf die Bühne geholt werden?
Nein. Niemand wird nach vorn gezogen, und niemand darf über Kollegen bestimmen. Wenn ich merke, dass jemand von seiner Gruppe geschoben wurde, frage ich direkt nach und lasse ihn zurück an den Platz, wenn er zögert.
